Gastgewerbliche Tradition in Brixen

Das Gastgewerbe kann in der Stadt Brixen auf eine außerordentliche Tradition zurückblicken. Als geistiges Zentrum der Diözese und ganz Tirols sowie als fürstbischöfliche Residenzstadt hatte Brixen seit jeher eine besondere Anziehungskraft.
Dazu war Brixen ein wichtiger Handels- und Rastplatz an der bedeutenden Brennerroute und der Abzweigung in das Pustertal. Bereits in den ältesten Brixner Stadtrechten von 1380 werden die Rechte und Pflichten der „Leutgebe“, also der Wirte, erwähnt. Namen der betreffenden Häuser, in denen aufgeschenkt werden durfte, sind allerdings nicht überliefert.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sorgten der aufkommende Bergbau und der zunehmende Transitverkehr für einen Aufschwung des Gastgewerbes in Tirol. Es entstanden auch in Brixen zahlreiche Gastbetriebe, von denen einige bis heute bestehen, während andere in Vergessenheit geraten sind. So wird erstmals 1453 ein „Baumwirtshaus“ in Stufels erwähnt. 1493 ist die Rede von einem „Uetzenwirt am creutz“. Nach zahlreichen Umbauten wurde daraus das „Goldene Kreuz“. Der „Goldene Adler“ an der Adlerbrücke wurde 1512 erstmals erwähnt. Der „Elephant“ ist seit dem Jahr 1551, als der Elefant Soliman auf dem Weg nach Wien sich dort erholen durfte, unter diesem Namen bekannt; vorher war dort im „Kargengut“ vermutlich auch schon aufgeschenkt wurde.

Diese Gastbetriebe hielten Verpflegung und Unterkunft für die Reisenden und deren Pferde bereit und hatten entsprechende Stallungen. Sie lagen daher an Ausfallstraßen der Stadt, und zwar der „Elephant“ an der Straße nach Norden Richtung Brenner, der „Goldene Adler“ an der alten Pustertaler Straße, die über die Adlerbrücke und die Schlipfgasse Richtung Schabs führte, der „Uetzenwirt“ an der Kreuzgasse, die nach Süden ging.
Der „Baumwirt“ bot hingegen nur Unterkunft und Verpflegung, hatte aber keinen Stall. Die 1481 erstmals erwähnte „Anreiterische Trinkstube“ im Zentrum der Stadt war nur Gaststätte ohne Beherbergung. An der Stelle der Anreiterischen Trinkstube wurde 1912 der großzügige Neubau des Hotels „Tirol“ errichtet. Im Jahr 1923 wurde der Name Tirol verboten und das Hotel in „Excelsior“ umbenannt. Heute ist das Gebäude zwischen Großen Lauben und Großem Graben Sitz der Volksbank.

Im Stadtrecht von 1604, das Fürstbischof Christoph Andrä von Spaur der Brixner Bürgerschaft verlieh und das 200 Jahre in Kraft blieb, wurden die Gastbetriebe in drei Kategorien eingeteilt.
Betriebe, die Übernachtung, Verpflegung und Einstellmöglichkeit für Ross und Wagen boten, hießen „Wirtstabernen“. Sie mussten ständig geöffnet halten und diese Bereitschaft durch ein fixes Wirtshausschild anzeigen. Die „Baumwirte“ boten Übernachtung und Verpflegung, hatten aber keine Einstellmöglichkeiten für Pferde und Wagen und profitierten daher kaum vom regen Fuhrverkehr.

Für Speis und Trank ohne Beherbergung sorgten die „Buschenwirte“, die nach Belieben öffnen konnten und dies mit einem grünen „Buschen“ über der Haustür anzeigen mussten.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hatte Brixen rund 2000 Einwohner, aber immerhin 20 Gastwirtschaften, die vor allem vom Fuhrverkehr lebten, der auf dem Weg von Venedig in den süddeutschen Raum durch Brixen zog. Lebhaft war auch der Verkehr ins Pustertal. Um 1800 zählte man bei 2500 Einwohnern 25 Gastbetriebe, und zwar zehn Wirtstabernen, fünf Baumwirte und zehn Buschenwirte. Über die Jahrhunderte war also das Verhältnis von einem Gastbetrieb auf 100 Brixner unverändert geblieben.

Die Gastbetriebe hatten nicht nur große wirtschaftliche Bedeutung für Brixen, sondern spielten auch im gesellschaftlichen Leben der Stadt eine wichtige Rolle. Bedeutende Persönlichkeiten kehrten in den Brixner Gastbetrieben ein. So beginnt die Geschichte des „Elephanten mit dem Dickhäuter namens Soliman, einem Geschenk von König Johann III. von Portugal an seinen Neffen, Erzherzog Maximilian von Österreich, der zur Jahreswende 1551/52 auf der mühsamen Reise von Genua nach Wien in Brixen Halt machte. 1814 kehrte Kaiser Franz I. von Österreich mit seiner Gattin Maria Ludovika von Österreich-Este im „Elephanten“ ein, und auch andere gekrönte Häupter waren öfters zu Gast, so z. B. der bayerische König Ludwig I. Berühmte Gäste hat auch der „Goldene Adler“ aufzuweisen. So kehrte etwa 1651 Eleonora Gonzaga von Mantua Nevers, die künftige Gemahlin von Kaiser Ferdinand III., im „Goldenen Adler ein, oder 1667 Cosmo III. von Medici, Großherzog von Toskana.

Auch das gesellschaftliche Leben der Stadt spielte sich überwiegend in den Gastbetrieben ab. Versammlungen, Unterhaltungen, Konzerte, Theater, Bälle usw. hatten dort ihren Platz. Auch die ersten Filmvorführungen in Brixen erfolgten in den Gastbetrieben. Im Stadel des Gasthofes „Goldene Krone“ entstand 1908 das erste Brixner Kino, es folgte 1911 das Kino im „Goldenen Stern“ in der Altenmarktgasse. Dieser Gasthof, der beinahe 100 Jahre den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Brixen darstellte, war 1834 in der ehemaligen Graf-Wolkeinsteinischen Behausung eingerichtet worden; die Erinnerung an ihn lebt heute noch im Namen des weiterhin bestehenden Kinos und einer Bar weiter. Zahlreiche frühere Gastbetriebe sind aufgelassen worden und in Vergessenheit geraten, andere sind neu entstanden. Die jahrhundertealte gastliche Tradition von Brixen lebt aber weiter und wird weiter gepflegt.

Hartmuth Staffler
Geschichtsverein Brixen

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