Die Hofburg Brixen

Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts bis 1973 war die Hofburg die Residenz der Bischöfe des Bistums Brixen. Bis zur Säkularisation im Jahre 1803 hatten die Bischöfe auch die weltliche Herrschaft inne, so dass Brixen einen Fürstenhof mit entsprechender Verwaltung hatte und deshalb diese Residenz auch Hofburg genannt wurde. Mit der Verlegung des Bischofsitzes nach Bozen im Jahre 1973 erhielt die gesamte Hofburg eine neue Widmung, indem sie seither das Diözesanmuseum und das Diözesanarchiv beherbergt.
Die Hofburg in der heutigen Form ist ein Renaissance- und Barockbau, der in der Zeit zwischen 1600 und dem frühen 18. Jahrhundert entstanden ist. Von dem ursprünglichen mittelalterlichen Bau aus der Mitte des 13. Jahrhunderts sind nur noch Teile im Bereich der Keller erhalten. Unter dem Fürstbischof Kardinal Andreas von Österreich (1591-1600) kam es zu einem völligen Neubau der Hofburg. Der Innsbrucker Hofbaumeister Alberto Luchese plante einen vierflügeligen dreigeschossigen Bau um einen Innenhof mit jeweils 11 Arkadenbögen an allen vier Seiten. In der Mitte des arkadierten Hofes war ein monumentaler Brunnen vorgesehen. Nach der Errichtung des Südflügels und dem frühen Tod des Kardinals im Jahre 1600 kam es zu einer Bauunterbrechung und in weiterer Folge auch zu einer Planänderung, indem zum Südflügel noch der Nordflügel mit Arkaden errichtet wurde, während der Ost- und Westflügel nur mehr eine geschlossene Fassadengestaltung erhielten. Das aufwendige Konzept des Kardinals Andreas von Österreich mit dem Skulpturenprogramm eines Habsburgerzyklus blieb deshalb auch unvollendet, obwohl der Bildhauer Hans Reichle den Zyklus von insgesamt 44 Figuren bereits vollendet hatte. Heute sind in den Nischen der Granitpfeiler im ersten Obergeschoss auf der Nord- und Südseite lediglich 24 Skulpturen untergebracht.
Die Brixner Ahnengalerie sollte vor allem dazu dienen, die habsburgische Abstammung des Kardinals und Fürstbischofs Andreas von Österreich in öffentlich wirksamer Weise zu demonstrieren.
Unter Fürstbischof Kaspar Ignaz Graf Künigl (1702-1747) wurde die Hofburg in den Jahren 1707-1711 in der heute noch bestehenden äußeren Form vollendet. Er ließ die Kapelle und den Kaisertrakt im Westflügel neu bauen sowie das zweite Obergeschoss mit dem Loggiengang im Nordflügel errichten. Durch diese Aufstockung und die dadurch gewonnene Symmetrie der einander gegenüberliegenden Süd- und Nordarkaden sowie den geschlossenen Fronten an der Ost- und Westfassade erfuhr der Innenhof seinen harmonischen Gesamtcharakter.
Nach außen präsentiert sich die Hofburg als geschlossener vierflügeliger Palastbau mit drei Geschossen und mit zwei massigen turmartigen Vorbauten an der Südseite. Diese vermitteln zusammen mit dem Burggraben, der heute nur noch an der Süd- und Ostseite mit Wasser gefüllt ist, einen etwas wehrhaften Charakter. Der ostseitig gelegene Zugang, wo heute eine fest gemauerte Brücke über den Burggraben führt, war ursprünglich durch eine Zugbrücke erreichbar. Ein ähnlicher Vorbau wie beim ostseitigen Haupteingang ist ungefähr in der Mittelachse auch an den übrigen Fassaden gegeben, wobei auch der an der Südfassade als Zugang vom Hofgarten her gestaltet ist. Die Außenfassaden der Hofburg wie auch die Ost- und Westhoffassaden mit ihren geohrten Fenstereinfassungen und den stuckierten Suprafenestren weisen auf die Nordtiroler Baumeisterfamilie Gumpp, die den Aus- und Umbau im frühen 18. Jahrhundert durchgeführt hat.
Durch den ostseitig gelegenen Haupteingang mit dem noch alten eisenbeschlagenen Hoftor gelangt man in die weite, stuckverzierte Eingangshalle, die zum Innenhof offen ist. Der Westflügel gegenüber der Einfahrtshalle bildet mit der Portalanlage der Hofburgkapelle die optische Achse des Hofes. Im Giebelfeld des Portals ist das mit Infel, Stab und Schwert bekrönte Wappen des Fürstbischofs Graf Künigl, des Vollenders des barocken Umbaus, angebracht. Über dem Portal schwebt, auf einer Wolke stehend, die aus weißem Marmor gehauene Immakulata, die ebenso wie die ganze Portalanlage von Cristoforo Benedetti aus Mori bei Rovereto stammt.
Auch im Inneren hat die Hofburg eine Reihe von Sehenswürdigkeiten zu bieten, wie etwa die reich ausgestattete Hofkirche, die zwei Räume der Hofratskanzlei sowie den Kaiser- und Bischofstrakt.
Nicht unerwähnt bleiben dürfen die reichhaltigen Sammlungen des Diözesanmuseums mit Kunstwerken von der Romanik bis zur Moderne, mit dem Domschatz und der berühmten Krippensammlung.
Ungeachtet der vielen musealen Kunstwerke, die die Hofburg beherbergt, gehört der Bau selbst zu einem der reizvollsten und bedeutendsten Baudenkmäler des Landes. Einen Besuch der Hofburg sollte sich eigentlich niemand entgehen lassen.

Johann Kronbichler