Die Geschichte des Altstadtfestes in Brixen

Alles begann zwischen 1975 und 1976. Zu dieser Zeit wurde die Idee zum Brixner Altstadtfest geboren; aus der Idee wurde Wirklichkeit.

Der Brixner Geschäftsmann Helmuth Kerer war bereits zu jener Zeit Mitglied des örtlichen Gemeinderates. Aufgrund vieler Erlebnisse und diverser Erfahrungen im Ausland reifte bei ihm allmählich der Gedanke heran, Brixens Altstadt aufzuwerten und, wenn möglich, zumindest für ein paar Tage im Jahreslauf in den Mittelpunkt des Geschehens zu rücken. Der Gemeinderat fand die alte Bischofsstadt am Eisack zuweilen als einen verschlafenen Ort vor - so bedeutend die Stadt in der Geschichte des Landes auch war, welch wichtige Entscheidung in der Vergangenheit von hier aus auch getroffen wurden, so hatte sie doch, wie Kerer laut nachdachte, in bezug auf das gesellschaftliche weltliche Treiben ein wenig den Anschluss verloren.

Bedenkt man, dass Anfang der siebziger Jahre Brixens alte Gassen und auch der Domplatz noch für den Verkehr offen waren, dass; Tag und Nacht Motore viel Lärm erzeugten, so hatte Kerer durchwegs recht, wenn er von einer Verkehrsberuhigung sprach und mit dieser gleichzeitig eine Sanierung des historischen Stadtkerns ins Auge faßte. Gute freundschaftliche Verbindungen pflegte Brixen schon damals mit der Partnerstadt Regensburg. Dort gab und gibt es das weitum beliebte Bürgerfest. Helmuth Kerer und Bürgermeister Zeno Giacomuzzi waren eines solchen festlichen Treibens in Regensburg zugegen und begeistert von der Geselligkeit und dem stadtarchitektonischen Rahmen. Für beide stand auf Anhieb fest: Brixens alte Mauern, das Ambiente der Altstadt eigneten sich nicht nur für gutes Wohnen, sondern auch für ein gemeinsames Fest. Ab diesem Zeitpunkt gingen die beiden Lokalpolitiker daran, die Bürgerschaft von Brixen für ihre Altstadt zu sensibilisieren.

Kerer war zu dieser Zeit stark in das Brixner Vereinsleben eingebunden, in jenes Vereinswesen mit vielen begeisterten freiwilligen Mitgliedern, welche das Fundament und die unbedingte Voraussetzung für die Veranstaltung eines Festes waren und sind. Allerdings sollten die Vereine nicht mit den bürokratischen Hürden und Hindernissen, die bei der Abhaltung eines Festes anstehen, konfrontiert werden: Kerer hatte festgestellt, dass so mancher Verein mit seinem Ausschuss allein wegen der bürokratischen Auflagen festlichen Veranstaltungen skeptisch gegenüberstand. Das sollte anders werden.

Kerer hatte sich längere Zeit in der Toskana augehalten und hautnah historische Aufführungen zum Beispiel in Florenz und Siena erlabt. Das sollte auch in Brixen möglich sein; die Stadt biete eine optimale Kulisse.

Aus dem Wunsch heraus, den historischen Stadtkern von Brixen zu sanieren und zu revitalisieren, wurde das erste Brixner Altstadtfest geboren.

Und wie gesagt: Ein derartiges Grossereignis konnte nur mit Hilfe der Vereine abgewickelt werden. Es entstand das Brixner Altstadtkomitee, das sich aus den Mitgliedern Herbert Auer, Helmuth Fink, Kurt Rastner, Günther Kahl, Reinhold Nössing, Much Tinkhauser und Helmuth Kerer als Vorsitzenden zusammensetze. Dieses Komitee sollte den Vereinen die bürokratische Abwicklung abnehmen. Parallel zu den Vorbereitungen des ersten Brixner Altstadtfestes wurde auch das Sanierungsprogramm der Brixner Altstadt in Angriff genommen: Pflasterung der Grossen und Kleinen Lauben und des Erhardplatzes. Das Fest schliesslich sollte Auge und Bürgerinteresse auf die Altstadt Brixen lenken. Im Zyklus von zwei Jahren sollte das Fest abgehalten werden; in der gleichen Zeit sollte jedes Mal ein Stück Altbrixen saniert werden. Das Fest sollte gleichzeitig Besitzer und Mieter der Altstadt motivieren, ihre Fassaden entsprechend der Bedeutung ihrer Stadt zu präsentieren - ein kleiner psychologischer Druck sollte vom Fest ausgehen und auf die Bewohner des Stadtkerns einwirken: Blumen vor die Fenster zu stellen, die Stadt sauber zu halten.

Außerdem sollte das Fest von Anfang an das friedliche Zusammeneben der Sprachgruppen garantieren: Respekt vor der eigenen Kultur zu haben, im geselligen Beisammensein diesen Respekt zu forcieren, eventuelle Generationskonflikte auszuräumen, denn in der Gemeinschaft, noch mehr in der Geselligkeit, können Konflikte am besten gelöst werden. Kerer legte auch Wert darauf, das religiöse Bewusstsein zu unterstreichen, eventuelle Unterschiede zwischen der Stadt- und Landbevölkerung im Zuge des Festbetriebes aufzuheben. Deshalb war es ihm ein dringliches Anliegen, auch die Vereine der Fraktionen in dieses Grossereignis zu integrieren. Dadurch konnte sodann verstärkt der gastronomische Aspekt, nämlich die eigene Küche des Brixner Raumes präsentiert werden.

Das Brixner Altstadtfest war von Anfang an ein Unternhmen, das trotz tunlichst guter Vorbereitung Fragen offen ließ; vor allem was den kommerziellen Aspekt betraf. Was sollte das Fest bringen? Warum solten die Vereine mittun? Der kommerzielle Aspekt war beim ersten Fest nicht vorhanden. Kaum jemand dachte damals, dass schon bald viele Gäste auch aus dem Ausland das Brixner Altstadtfest aufsuchen würden und dafür eigens ihren Urlaub für die Tage des Festes planen.

Eine andere offene Frage betraf den sanitären Aspekt, der ebenfalls in den Anfängen nicht vordergründig war.

Der präsident des Altstadtkomitees schlug für das erste Altstadtfest als Standort für die Austragung Domplatz, Kutscherhof und Große und kleine Lauben vor. Bei der Aufteilung der Standplätze kam es zu kleineren Reibereien: die örtliche Musikkapelle ließ sich nicht in den Kutscherhof abschieben, wie es hieß. Es war insgesamt nicht einfach, auf dass sie einen Stand errichteten, wo sie sodann Speis und trank verkauften.

Helmuth Kerer erinnert sich heute, dass für ihn das erste fest im August 1978 das schönste Altstadtfest war, und zwar wegen der vielen spontanen Kreationen bei den Ständen, wegen der unkommerziellen Aura, die von dem Festbetrieb ausging und sich auf die gesamte Altstadt von Brixen ausbreitete. Damals wie heute ist das Altstadtfest das Fest der Vereine; wenn es inzwischen auch zu einer großen touristischen Attraktion geworden ist. Kerer legte bereits für das erste Fest ein Statut vor, das seit damals penibel eingehalten wird: es dürfen nur Vereine des Gemeindebezirkes teilnehmen; die Zweckbestimmung muss klar sein; Privatinteressen werden nicht berücksichtigt; das Fest findet alle zwei Jahre eine Woche nach "ferragosto" statt. Dabei war dieser Termin nicht von Anfang an klare Sache. Es gab Unstimmigkeiten: Die Gastwirte schlugen den Juni als idealen Zeitpunkt vor, weil in diesem ersten Sommermonat der Tourismus in Brixen leicht stagniert. Das erste Brixner Altstadtfest wurde sodann zu einem großen Erfolg. Bozen, Meran und Bruneck schauten auf Brixen und dachten nach wie ein solches Fest imitiert werden könnte. Es wurde tatsächlich in den folgenden Jahren oft kopiert; es darf aber mit ruhigem Gewissen gesagt werden, dass es nie erreicht wurde.

Der Präsident des Altstadtkomitees agiert seit jeher nach einem festen Prinzip: Ein Altstadtfest in der Größenordnung von Brixen kann nur erfolgreich sein, wenn, wie gesagt, allen teilnehmenden Vereinen die bürokratische Arbeit abgenommen wird, wenn die Kreativität gefördert wird und wenn sich neben den Vorsitzenden auch das gesamte Altstadtkomitee bei der Durchführung des Festes beteiligt. Seine Mitglieder nämlich übernahmen von Anfang an mit Kerer diese gesamten anstehenden Arbeiten. Mit etwas Bedauern stellte der Präsident heute fest, daß im Laufe der Jahre aus einem ürsprünglich geplanten leisen Unterhaltunmgsfest ein lautes Fest geworden sei. Kerer wollte das verhindern, hatte aber keinen Erfolg. Die Geräuschkulisse der vielen tausend Besucher hinterläßt nolens volens viele Spuren.

Erfolgreich hingegen war Kerer, was die öffentliche Werbung betrifft. Bei keinem Fest liess er eine kommerzielle Werbung zu, weder wirtschaftlicher noch politischer Natur.

So ist insgesamt das Fest zu dem geworden, was es heute ist: das profane gesellschaftliche Fest schlechthin. Drei Tage Freude, Jubel und Ausgelassenheit, etwas Kultur, viele Menschen und viele Freundschaften in einem würdigen Rahmen: in der Altstadt von Brixen.

(Auszug aus der Jubiläumsschrift 1996)

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